Der Beachclub als Naherholungskonzept?

In der Stadtverordnetenversammlung am kommenden Montag steht als TOP 28 ein Antrag der SPD mit dem Namen "Naherholung und Freizeitangebote für Maintal und das Rhein-Main-Gebiet für die ganze Familie; Antrag der SPD-Fraktion vom 07.09.2020" auf der Tagesordnung.


In dem Antrag geht es darum, auf dem Gelände zwischen dem Sportboothafen Maintal und dem Campingplatz an der Rumpenheimer Fähre ein Angebot zur Naherholung und Freizeitgestaltung zu schaffen.


Entstehen soll hier ein Strandparadies mit Sportplatz (Beachvolleyball, Boule..), Ruhezonen am Wasser, Liegen, Eventarea, Badeschiff, Wellness, Restaurant, Cafe und Kiosk, welches Besucher von nah und fern, aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet von Wiesbaden bis nach Aschaffenburg und Heidelberg anziehen soll.

Hierbei soll auf Nachhaltigkeit besonderes Augenmerk gelegt werden, sowohl im Bereich Energieversorgung und Infrastruktur, beispielsweise durch Einbindung von Photovoltaik und Begrünung von Dachflächen, als auch im Bereich Gastronomie und Lebensmittel durch vollständigen Verzicht auf Plastik und eigenen Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern.


Auf einem Teil des Geländes soll ein Parkplatz entstehen, allerdings geht das Konzept davon aus, dass ein Großteil der Gäste aus dem Umkreis mit dem Fahrrad anreisen werde.

Außerdem werde auch die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine grössere Rolle spielen, wenn die frankfurter Strassenbahnlinie 11 ausgebaut sei.


Das zugrundeliegende Konzept wurde erstellt vom potentiellen Betreiber, der Gibson GmbH & Co. KG in Frankfurt, welche sowohl den Gibson Club auf der Zeil in Frankfurt betreibt, als auch in der Vergangenheit bereits, ebenfalls in Frankfurt, den King Kamehameha Club und die King Kamehameha Suite sowie in Offenbach den King Kamehameha Beach betrieb.


Eine detaillierte Konzeption mit spezifischen Angeboten geht aus dem Konzept bisher nicht vor, allerdings ist allein aufgrund der angeführten Referenzen wohl davon auszugehen, dass zumindest ein Teil des Konzeptes auf ein regelmässiges Abendprogramm im Sinne eines Clubs ausgelegt ist.


Mit der Umsetzung des vorliegenden Konzeptes würde Maintal möglicherweise tatsächlich tagsüber zum Anziehungspunkt für Besucher aus dem MKK und dem Rhein-Main-Gebiet und zum abendlichen und nächtlichen Magneten für die jugendliche und jungerwachsene Feierpopulation aus Frankfurt, Hanau und Offenbach werden.

Es darf allerdings wohl bezweifelt werden, dass ein signifikanter Anteil der Besucher zu Fuß oder mit dem Fahrrad anreisen würde - das klappt ja regelmässig nicht mal im durchschnittlichen Freibad.

Fraglich ist vermutlich auch, ob, wann und wohin die Strassenbahnlinie 11 ausgebaut werden und ob das dann die Anreise tatsächlich vereinfachen wird.

Als meistgenutztes öffentliches Verkehrsmittel könnte sich durchaus die Rumpenheimer Fähre herausstellen, welche dann mit der letzten abendlichen Überfahrt die Feiergäste aus Offenbach anliefert und diese dann morgens mit der ersten Fahrt wieder abholt.


Vermutlich müssten wir Maintaler uns aber eher auf eine signifikante Zunahme des Autoverkehrs, entsprechend zugeparkte Strassen und Industriegebiete und gegebenenfalls auf nächtliche Beschallung einstellen und uns fragen, ob der am Erdbeerfeld entlangführende Weg weiterhin von Familien und Kindern unter anderem zum Spazieren, Fahrradfahren und Inliner-Lernen genutzt werden kann.


Interessant ist sicherlich auch das Zustandekommen des Antrages, wurde dieser doch vom ehemaligen Leiter Verbandskommunikation des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA Hessen für den im Konzept erwähnten, aktuell stellvertretenden Vorsitzenden des Fachbereichs Gastronomie desselben Verbandes eingereicht.


Die Vorberatung dieses TOP wurde übrigens im Haupt- und Finanzausschuß am 23.09. auf Antrag der FDP-Fraktion verschoben, bis der Antragsteller Gelegenheit hatte, das Konzept in einer Präsentation vorzustellen und näher zu erläutern - es ist daher naheliegend, dass der Punkt auch von der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung abgesetzt und entsprechend verschoben wird.


In seiner Präsentation wird der potentielle Betreiber wohl jedenfalls einige Fragen etwas eingehender und weniger wolkig beantworten müssen, als dies im vorliegenden Konzept der Fall ist.


Hier finden Sie weitere Informationen:

Antrag: https://sessionnet.krz.de/main…ile.asp?id=78621&type=do&

Visualisierung: https://sessionnet.krz.de/main…ile.asp?id=78932&type=do&

Zonierungsplan: https://sessionnet.krz.de/main…ile.asp?id=78933&type=do&

Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung: https://sessionnet.krz.de/maintal/bi/to0040.asp?__ksinr=4854